22 Fr Apr | 2005


Beginn: 20:00

Zdravko HRISTOVI - Gesang Pirinka HRISTOVI - Gesang Dimiter DINEV - Tamboura Ivan ILIEV - Gaida Ivailo IVANOV - Tupan "Dass die leichten Dissonanzen in ihrem Zwiegesang durchaus gewollt sind, hat weniger mit dem Umstand zu tun, dass die Hristovi-Sisters ihre Kunst - wie so viele andere traditionelle InterpretInnen in Bulgarien - an der Universität verfeinert haben, sondern gehört zur unakademischen Tradition selbst." (Concerto) Wie sehr traditionelle Musik auch ohne Modernismen grooven kann, beweisen die Zwillingsschwestern Zdravka und Pirinka Hristovi aus Bansko in der Region Pirin. Erstere ist nach einer Blume benannt (Zdravets heißt Geranie), Letztere nach dem wilden Piringebirge - und wie Blume und Fels, so verhalten sich mitunter auch ihre Stimmen zueinander. Beide sind sie Meisterinnen jenes wild-expressiven diaphonen Gesangs mit tremolierenden Kopfstimmen, wie er besonders typisch für das raue Grenzland zwischen Mazedonien und Bulgarien ist. Reiche Melismatik, ungerade Rhythmen und die synkopischen Effekte von plötzlichen "Jaulern", "Kreischern" und "Hickups", angetrieben durch die funkigen Beats von Rahmentrommel (Tupan) und Akkorde von Langhalslaute (Tambura) und Dudelsack (Gaida) ergeben eine ungemein archaische, dionysische Musik, die Seelen und Körper der HörerInnen auch jenseits des folkloristischen Rahmens mit Wellen körpereigener Drogen zu überschwemmen vermag. Wie viele traditionelle MusikerInnen absolvierten die Hristovi-Schwestern das Institut für Musik und Pädagogik in Plovdiv. Später waren sie Solistinnen des Pirin Staats-Ensembles, mit dem sie durch die USA, Japan, Kanada, Westeuropa und Israel tourten. Beide sind hoch respektierte Gesangslehrerinnen und unverzichtbare Erforscherinnen und Interpretinnen der distinkten Musikkultur Pirins, die wegen ihrer Wildheit mühelos in der Lage ist, so manches Vorurteil über Volksmusik im Begeisterungsrausch aufzulösen. Mit freundlicher Unterstützung des Bulgarischen Kulturinstituts Haus Wittgenstein.