06 Mi Jun | 2018

Teatro del viento (Kuba)

Working SIN Progress

Einlass: 18:30
Beginn: 19:30

Eintritt: € 22

ACHTUNG ÄNDERUNG!!

Aufgrund massiver stimmlicher Probleme einer der Protagonistinnen kann die angekündigte Aufführung von Las Decadentes del Son nicht stattfinden. Stattdessen zeigt das teatro del viento das Stück Working SIN progress, was weit mehr als nur ein Ersatz ist. Nicht wenige behaupten, dass es sich um das beste Stück von Freddys Núñez Estenoz handelt. Es ist ein beeindruckender, ästhetisch anspruchsvoller Bildersturm, der die SchauspielerInnen an ihre Grenzen führt und auch formal neue Wege beschreitet. Dazu im O Ton Renat Safiullin, ein renommierter deutscher Theaterschauspieler, nachdem er das Stück Mitte Mai in Dresden gesehen hat: „Seit Jahren wird in meinem beruflichen Umfeld lamentiert, dass das Theater etwas Neues, etwas ganz Anderes braucht, aber nichts passiert. Und dann kommen da die Kubaner an – und da ist es, das NEUE!!“ Man kann sich also auf ein sehr spezielles Theatererlebnis freuen. Deutsche Texte, die am Beginn jeder Szene eingesprochen werden, sichern das Verständnis des Bühnengeschehens auch für ein nicht des Spanischen mächtiges Publikum, ohne dass der ästhetische Genuss der Aufführung beeinträchtigt wird.

Working SIN Progress

Kuba ist an einer Art Scheidelinie angelangt, eigentlich an der Grenze des menschlich Vorstellbaren. Sechs InselbewohnerInnen, sechs SchauspielerInnen betrachten ihre Insel von der Zukunft aus, durchleuchten und dekonstruieren die jüngste Vergangenheit. Was ist geblieben nach all den Jahren fortwährender Versuche und Experimente an einem Modell, von dem die Optimisten behaupten, dass es die Zukunft darstellt? Wohin geht Kuba, welchen Weg werden seine Einwohner einschlagen, wie sehen die Jungen die Zukunft eines Landes, das sich fortwährend auf der Basis von Utopien entwirft? Working SIN progress ist ein heftiges, ein schmerzhaftes, ein überaus kritisches Stück, aber es ist auch ein Stück, das zur Reflexion einlädt. Reflektiert wird diesmal aber nicht über einen hohlen Glaubenssatz, sondern über den stechend scharfen Blick einer Generation, die sich ausgehend von ihren Hoffnungen in eine Art Spiegel schaut. Aber dieser Spiegel gibt kein exaktes Abbild ihrer Zeit wider, sondern nur vage Ideen von prekären Wünschen, angesiedelt an den Grenzen des menschlichen Vorstellungsvermögens.

Mit dem teatro del viento (Theater des Windes) aus Camagüey kommt eine der renommiertesten und auch interessantesten Theaterkompanien Kubas erstmals nach Wien. Dass sie auch zu den beliebtesten auf der Karibikinsel gehört, ist ihrem gleichermaßen kompromisslosen wie ästhetisch anspruchsvollen Selbstverständnis geschuldet, mit dem sie der kubanischen Gesellschaft künstlerisch den Spiegel vorhält. Für Freddys Núñez Estenoz, als Autor, Regisseur und Direktor in einem gewissermaßen der Kopf der Kompanie, müssen die Stücke den Geruch der Straße atmen im Stile eines künstlerisch anspruchsvollen  Volkstheater. Dabei werden nicht nur gesellschaftlich heiße Eisen angefasst, sondern auch formal ständig nach neuen Ausdrucksformen gesucht. Das teatro del viento gilt daher zu Recht als eines der Aushängeschilder einer anspruchsvoll-kritischen kubanischen Theaterszene.

Text, Ausstattung und Regie: Freddys Núñez Estenoz
DarstellerInnen: Vladimir del Risco, Luis Ramírez, José Fornet, Marian Rollan, Nora Rodríguez, Yeisa Hevia